my green-eyed taxi, just bring me to the place that I call home ...

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Episode 8: my fault

  erstellt am 11-07-2007 um 22:15

Ich habe noch nie einen Fehler auf der Arbeit gemacht. Seit ich hier arbeite, ist mir das noch nicht passiert. Ich habe nie etwas vergessen, nie irgendwelche Unvollständigkeiten zustande kommen lassen und nie etwas falsch eingetragen oder verwechselt. Diesmal war es eine kleine Verwechslung, die mich jetzt so fertig macht. Ich bin kein Perfektionist, aber ich weiß, dass ich meine Arbeit immer gut mache, egal wie es mir gerade geht. Jeder kann sich auf die korrekte Erfüllung meiner Aufgaben verlassen. Die Zuversicht gebe ich den Kollegen einfach. Gestern kam die erste Beschwerde seit fast zwei Jahren. Eine harmlose Beschwerde, versöhnlicher Ton; „Gene, geht es Ihnen nicht gut? Was war denn da los?“ und ein Ordner unter meiner Nase. Ich habe sofort gesehen, wo mein Fehler lag. Es war nichts Schlimmes. Ich habe korrigiert und gelächelt. Ich hab gesagt, dass mir das Wetter auf den Geist schlägt und ich reif bin für die Urlaubsinsel. Ich bekam Verständnis. Nochmal darf mir das nicht passieren. Ich war in den letzten Wochen unkonzentriert. Für gewöhnlich lasse ich meine Gefühle und Gedanken nicht auf die Arbeit mitkommen, nur diesmal… ich kann doch selbst nicht erklären, was diesmal anders ist. Es ist mir noch nie passiert, dass mich ein Gedanke, ein Gefühl oder ein inneres Problem vom Arbeiten abgehalten hat.
Diesmal ist es einfach zu ernst. Ich dachte, dieses Wochenende würde Licht ins Dunkel bringen. Es war außergewöhnlich, denn wir haben unseren Problemen noch nie auf diese Art und Weise Luft gemacht. Ich wachte manchmal nachts um 4 auf und ging doch allein spazieren. Je mehr Mühe wir uns geben, desto klarer wird mir, wie meine Entscheidung ausfallen wird. Mein Chaos hat mich so sehr im Griff, dass ich meine Probleme schon mit auf die Arbeit nehme.
Eine Freundin sagte einmal den Satz, dass sie sich nun hinter ihrer mutigsten Maske verstecken würde, bis ihr Chaos vorbei ist. Ich sollte wieder lernen, Masken zu tragen, denn ich mag’s nicht, wenn mir Fremde in mein Innerstes hineinstieren.
8.2.09 22:58


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Episode 7: an argument

erstellt am 06-07-2007 um 01:17

Ich habe mich getraut. Ich habe ihm gestern Rede und Antwort gestanden. Keiner Frage wich ich aus, keine schob ich auf. Ich antwortete ehrlich und fühlte mich wohl. Bis ich das Gefühl hatte, nicht mehr ernst genommen zu werden. Ich verabscheue nichts mehr als das. Bis Beschuldigungen kamen, die unter die Gürtellinie zu gehen drohten. Das ist kein Ton für ein solches Gespräch. Bis mir meine Ehrlichkeit mit Beleidigungen gedankt wurde.
Nein, ich benehme mich nicht wie ein 17-jähriger, der eine Dauererektion wegen einer schönen Frau hat. Danke, ich kann mich sehr gut beherrschen. Nein, ich idealisiere die schöne Frau auch nicht, ich liebe sie lediglich. Nein, es ist nicht nur, dass ich sie nicht haben kann, ich bin mit der Gesamtsituation momentan unzufrieden.
Ich verabscheue es, mit Dreck beworfen zu werden. Ich hasse substanzlose Unterstellungen. Ich werde rasend, wenn man mir die Worte im Mund verdreht.
Ich wusste vorher nicht, was ich mir von diesem Frage-Antwort-Spiel versprechen soll. Ich hatte lediglich die Erwartung, dass es die Grenzen des Vernünftigen nicht sprengt. Ich erwartete von dem Menschen, den ich schon so lange kenne, dass er den Wunsch hat, mich zu verstehen. Ich dachte, einem geistig reifen Menschen gegenüber zu stehen. Jetzt hat sich die Frage der Reife auch geklärt.
Ich ertrage dieses Anschweigen nicht. Ich möchte nur noch weg und plane, wohin ich diesmal flüchte, für ein paar Tage zumindest.
Wie sollen wir weiter unter einem Dach leben? Dieser Mensch ist mir so fremd, ich kann keinen Fremden in meiner Wohnung dulden. Wie sollen wir wieder miteinander normal umgehen können? Oder ist das der Wink des Schicksals, damit ich meine Koffer packe und endlich dahin zurückkehre, wo ich hingehöre?
8.2.09 22:57


Episode 6: if these are changes

erstellt am 01-07-2007 um 02:18


Eigentlich mache ich das oft. Ein Wochenende lang wegfahren, eine süße Stadt ansehen, durch den Wald laufen und mir eine Auszeit nehmen. Ich habe es heute wieder getan, doch diesmal waren zwei Dinge anders: Ich bin nicht nur auf meinen eigenen Wunsch hin allein gefahren, vielmehr habe ich meine übliche Begleitung gebeten, mich allein fahren zu lasen, ohne Fragen und erbat mir noch Funkstille, die nur ich brechen dürfte. Die zweite Sache war, dass ich mein Laptop mitgenommen habe und mich absichtlich nach einem Hotel mit Internetzugang umgeschaut habe. Ich wollte zwar allein sein, aber trotzdem mit der Welt kommunizieren. Vielleicht hätte es Gedanken gegeben, die ich dringend hätte teilen müssen.
Ich lief heute stundenlang durch den Wald. Dieser Spaziergang ermöglichte mir, das hier und jetzt zu vergessen und tiefer in mich zu gehen. Ich dachte an alles, das ich in den letzten Tagen aufgeschrieben habe, das nun endlich und endgültig Ausgesprochene. Es gibt viele Dinge, die ich noch aufarbeiten muss, nicht alles wird so schmerzfrei verlaufen, wie ich es mir wünsche. Ich weiß auch, dass ich vor einer großen Entscheidung stehen werde, wenn ich erst fertig mit mir selbst bin. Erst wenn ich den inneren Konflikt lösen kann, bin ich fähig Antworten zu geben, zu denen ich jetzt schon den Fragenkatalog einsehen dufte. Ich fühle mich mies, weil ich momentan auf alles nur ein „Ich weiß es nicht“ erwidern kann. Wenn ich die Fragen meiner Mitmenschen und vor allem meine eigenen beantwortet habe, kann ich mich entscheiden. Vor beinah zwei Jahren dachte ich, die schwierigste Entscheidung meines Lebens getroffen zu haben, dabei steht sie mir jetzt erst bevor. Wann? Dieses Jahr? Nächstes Jahr? Wann hat der innere Krieg ein Ende? Wie lange gedulden sich die anderen noch mit meiner ausweichenden Art? Wie kann ich am schnellsten herausfinden, was ich möchte, was ich brauche und wie ich diese beiden Dinge vereinen kann?
Es soll gut tun, Ordnung in seine Gedanken und Wünsche zu bringen, einmal in sich hinein zu horchen und dem zu folgen, was ich höre. Ich will auch nicht abstreiten, dass es mich heute für einen kurzen Moment innere Ruhe spüren ließ. Doch ich fühle mich keinen Schritt weiter als zuvor. Ich kann im Moment nicht viel weiter denken, als meine Gefühle es zulassen.

8.2.09 22:56


Episode 5: her joy (or: these icy thorns)

 erstellt am 29-06-2007 um 02:29

Ich habe sie noch nie so erlebt. Ihre Worte scheinen mir so reif und so hoffnungsvoll. Ihre Zuversicht, auf das Positive in der Zukunft ist erschreckend, sogar wahnsinnig und doch ist sie in meinen Augen richtig, weil ich diese Frau lange genug kenne, um zu wissen, dass sie solche Sätze nicht loslassen würde, wenn sie es nicht im Gefühl hätte. Ängste begleiten sie und Sorgen nagen an ihr, doch sie macht einfach weiter, ohne zu fragen wofür, ohne zu wissen, wie es ausgeht. Irgendwas sagt ihr, dass es sich lohnt und sie wirkt so glücklich.
Sie spricht ständig von ihm. Er ist der neue Mann an ihrer Seite. Ich habe sie oft über Männer sprechen gehört, doch nie auf diese Art und Weise. Ich wünsche mir, diese Worte würden mir gelten. Über mich allein soll sie so reden. Warum er und nicht ich? Warum ist er besser? Warum bin ich nicht genauso gut wie er? Vor einem knappen Jahr fiel sein Name zum ersten Mal in einem ihrer Briefe. Eigentlich war es nicht der Name, sie erwähnte diesen Menschen einfach und es war nicht ungewöhnlich, denn sie lernt schnell Menschen kennen. Es blieb einfach dabei, dass sie ihn ab und zu erwähnte, es waren Kleinigkeiten, die er gemacht hatte und die für sie so besonders waren. Aber dieser verträumte Ton zwischen den Zeilen … ob es ihre Absicht war? Oder ein bloßes Hirngespinst von mir? Doch jetzt gehört ihre ganze Liebe ihm. Sie sind schon länger ein Paar, ich war einer der ersten, die es erfuhren. Ich werde nicht mehr von ihr geliebt. Ich habe Angst, vergessen zu werden. Nur noch Vergangenheit zu sein, wenn er nun ihr ganzes Gut an Emotionen für sich beanspruchen darf. Jetzt glänzen ihre grünen Augen nur noch für ihn.
Ich sehe die beiden auf Fotos und es schmerzt. Sie und ein anderer, an der Stelle, wo ich sein möchte. Ich habe diverse Fotos von ihr und ihren Exfreunden gesehen, keines hat mich je so geschmerzt. Sie wirkt noch schöner als zuvor. Ich muss zugeben, dass ich ihn auch sehr hübsch finde, aber an dem guten Geschmack dieser Frau musste ich bisher nur selten zweifeln. Sie sehen sorglos aus, sie blicken müde oder lächelnd in die Linse, sie sprechen einfach für den Moment und strahlen pures Glück aus. Dieses Glück bohrt sich wie ein eisiger Dorn in mein Herz. Hätte sie ihn auch lieb, wenn ich nicht gegangen wäre? Wäre sie jetzt vielleicht doch meine Frau?
Ich bin nicht mehr der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Bin ich es jemals gewesen? Ich lache mich selbst aus für diese Kindereien. Ein Mann meines Alters hat nicht mehr diese Eifersucht auf Kindergartnenniveau zu empfinden und doch fühle ich sie. Der Verstand sagt mir, dass es Blödsinn ist und mein Herz weint währenddessen um sie. Er muss etwas ganz Besonderes sein, einen Gewöhnlichen würde sie nicht so sehr lieben. Natürlich wünsche ich ihr, ihnen beiden, dass das Glück, das sie teilen von ewiger Dauer ist. Ein Teil meines Herzens freut sich auch, dass es der Frau, die ich liebe so gut geht. Das mächtigste Gefühl ist dennoch der Schmerz. Denn zum ersten Mal glaube ich diese Frau an jemanden verloren zu haben. Es ist, als würde man einen Traum, eine Hoffnung begraben. Ich fühle mich so leer.
8.2.09 22:55


Episode 4: these roads

erstellt am 29-06-2007 um 01:56

Ich ging heute spazieren. Ich wollte meinen Körper nicht mehr so einrosten lassen. Arbeiten, Fertiggerichte und Bier sind nicht das Beste. Ich bin zwar weder sonderlich dick, noch habe ich gesundheitliche Probleme dadurch, aber ich wollte Vorsorge üben. Zumindest war das die soziale Fassung. Eigentlich wollte ich nur allein sein mit mir und meinem Kopf. Ich wollte, dass niemand mich stört und niemand irgendetwas von mir möchte. Keine Fragen beantworten und keine Blicke auf mir spüren. Mir geht es immer so, als würden die Menschen in meinen Kopf hineinstieren, wenn ich irgendwo in Gesellschaft Bekannter nachdenke. Also stellte ich mein Auto in einem etwas entfernten Stadtteil ab und lief einfach vor mich hin. Mein Kopf musste die Richtung nicht angeben, denn er war zu beschäftigt, meine Füße wussten wohin.
Es ist selten, dass ich mich mit meinen Gefühlen auseinandersetze. Ich mache es nur, wenn es wirklich brennend ist. Mein Leben lebt sich, es ist ein Leben, das sich viele Leute wünschen oder auch eins, von dem manche nicht zu träumen wagen. Die perfekte Existenz. Doch eben das ist der Störfaktor, das bloße existieren, wo das wahre (er)leben zu kurz kommt. Ich versuchte mir zu verdeutlichen, warum ich eigentlich unglücklich bin, wo ich doch alles habe. Es fehlt zu viel. Es fehlt mir, einen ausgelassenen Abend mit Freunden zu haben, ohne Anspannung und gespielter Höflichkeit. Ich möchte doch nur einmal laut fluchen ohne dass ich schief angesehen werde. Ich möchte ein Fußballlied singen, wenn meine Lieblingsmannschaft gewinnt. Ich möchte Leute finden, die mit mir morgens um drei Käse essen und Wein trinken, in ein paar Decken gewickelt, fröhlich und das in aller Öffentlichkeit. Einmal ohne darauf zu achten, was die anderen dazu sagen, ob das sich so gehört oder ob es zu unserer Altersgruppe passt. Ich frage mich, warum es nicht geht, ob ich einfach nur die falschen Leute kenne. Doch wo soll ich anfangen, die richtigen zu suchen? Die perfekten Freunde hatte ich jahrelang um mich und erst im Nachhinein erscheinen sie mir perfekt, obwohl ich sie damals oft verfluchte. Jetzt weiß ich, dass diese Freundschaften einfach nur ehrlich waren und Ehrlichkeit ist so selten. Hier habe ich sie bislang nicht in diesem Ausmaße finden können, noch nicht einmal ein Stück davon. Es fehlt mir, mich jemandem anzuvertrauen, der mich nicht für meine Gefühle verurteilt und auch dazu gehört Ehrlichkeit, auf beiden Seiten. Natürlich stehe ich in Kontakt mit meinen alten Freunden, aber ihre körperliche Anwesenheit ist manchmal so zwingend erforderlich. Manchmal brauche ich auch eine Schulter zum ausheulen. In Momenten wie diesen will ich einfach nur zurück und in letzter Zeit will ich zu oft und zu gerne zurück, aber es geht nicht.
Meine Füße trugen mich zu einem kleinen CD-Shop und dort kaufte ich eine Platte von einer Gruppe, die ich nie beim Namen gehört habe. Das Cover, der Name der Band und des Albums, die Tracklist, es wirkte alles so passend auf mich und ich kaufte sie. Ganz selbständig fanden meine Füße zurück zum Auto, als hätten sie mich nur für diese CD durch die vielen Straßen gelotst. Ich habe die CD nun in Schleife gehört seit ich zuhause bin. Ich habe mich auch wieder mit nicht meiner Frau unterhalten und sie sagte, dass sie die Band zurzeit auch dauerhört. Ich wusste es vorher nicht und es muss einfach Intuition sein. So wie ich mit ihr verbunden bin in den letzten Tagen. Ich gab ihr ein weiteres Versprechen, das ich einhalten werde. Sie wirkt, trotz ihrer komplizierten Lage, so glücklich im Moment. Ich möchte nichts daran ändern. Sie soll meinen emotionalen Krieg nicht verinnerlichen. Obwohl ihre Sorge um mich mir schmeichelt, mich aufs Tiefste berührt, möchte ich sie nicht, aus Angst, ihr Glück zu gefährden. Es ist ein Krieg, den ich mit mir selbst ausfechten muss.

From this moment, how can it feel, this wrong ...

8.2.09 22:55


Episode 3: my (non)wife

 erstellt am 28-06-2007 um 01:34

Ich möchte doch noch etwas mehr loswerden heute Abend. Eigentlich wollte ich genau das schreiben, als ich mich vor den Rechner setze. Doch scheinbar war es der erste Eintrag, der zuerst niedergeschrieben werden wollte. Ich wollte es dabei belassen, aber ich fürchte, dass ich mich nicht vom Fleck rühren werde, bis ich auch das andere aufgeschrieben habe. Es geht hier um sie, die Frau, die mir nie gehörte und nie gehören wird. 

Eine kleine Zicke war sie, als ich sie kennen lernte. Ihr Ton, ihre Art, ihre Kleidung, ihre giftgrünen Augen, nichts davon gefiel mir. Wie alle Teenager im entsprechenden Alter und ich lachte über ihre gekünstelte Aufregung. Als ich sie wiedersah, war es ein Zufall, der uns beide zugleich überraschte. Vergessen hatte ich sie nicht und ich gab ihr die Chance, meinen Eindruck zu bestätigen oder zu verwerfen. Sie war plötzlich so hübsch, ich glaubte, noch nie etwas Schöneres erblickt zu haben. Es handelte sich um keine gewöhnliche Schönheit. Sie war klar anders und genau das machte sie so schön. Ich wollte sie kennen lernen und lernte mich selbst kennen. Wir unternahmen viel, ich zeigte ihr schöne Ortschaften und Menschen, die ich mochte. Sie zeigte mir im Gegenzug das Leben, das wahre und wirkliche, mit all den Gefühlen, Gedanken und Abgründen, die es bietet und schließlich öffnete sie mir das Tor zu mir selbst, damit ich das Lebendige in mir suchen kann. Tränen glitzerten, als ich merkte, wie arm mein erfülltes Leben war. Denn eigentlich habe ich nur um des Lebens Willen gelebt, mich verhalten, wie ich am Muster erkennen konnte, gearbeitet, gefeiert. Ich habe nie über Gefühle oder den Sinn des Lebens nachgedacht. Ich hatte keine Fragen an die Welt und sie verlangte keine Antworten. Was folgte, war ein Chaos. Ich strukturierte mein soziales Leben neu, löste mich von Zweckbeziehungen, vertiefte Freundschaften mit Leuten, die mir etwas bedeuteten und ließ andere Fallen, weil ich gefühlsmäßig zu wenig an sie gebunden war. Ich fing an diese Frau zu lieben, auch körperlich, doch ich konnte sie nie für mich gewinnen. Es gab immer einen besseren als mich, einen der besser zu ihr oder zu ihrer Situation passte, einen für den sie mehr oder auch weniger empfand, einen der sie besser verstand. Doch ich wich nicht von ihrer Seite, sie konnte immer zu mir zurück, ich ließ ihr diese Option, weil ich hoffte, dass ich irgendwann derjenige sein dürfte, der am besten zu ihr passt, ich hoffte, dass sie es erkennt. Durch sie lebte ich wirklich. Der arrogante und oberflächliche Mann, der ich war hat das Leben erlernt. Wenn ich traurig war, habe ich keine Scheu gehabt zu weinen, wenn ich wütend war, schrie ich, manchmal wurde mir schwindelig vor Freude und ich konnte stundenlang nicht aufhören zu lachen. Ich lernte sie mit jedem Tag mehr lieben und manchmal hassen. Ich ließ mir wehtun, weil sie es mir Wert war. An anderen Tagen brachte sie mir so viel Freude, wie ich es nie vermutet hätte. Ich ließ ihren Schmerz und ihr Glück zu meinem werden. Einmal fischte ich einen Ring aus einem Kaugummiautomaten und machte ihr einen Antrag. Es sah aus wie ein Scherz, weil ich sichtlich angetrunken war, doch mein Herzen meinte es immer ernst, denn sie war die einzige, mit der ich mir ein Leben vorstellen konnte.
Ich öffnete mich für andere Menschen, andere Lieben und ich ließ es zu, neue Erfahrungen zu machen, auch wenn sie schmerzhaft endeten. Jedes Mal wenn ich mich verliebte, war es die Liebe zu ihr, wenn ich verletzt wurde, spürte ich die Verletzungen, die sie mir zugefügt hat, mit neuen Sehnsüchten war auch die Sehnsucht nach ihr verbunden.
Ich wollte nie glauben, dass sie mich nicht ein bisschen liebt. Es war schön, als ich einmal in dieser Hinsicht von ihr bestätigt wurde. Dass sie mich geliebt hat, all die Jahre lang. Es war so ein wunderschönes Gefühl und traurig im selben Moment, denn ihre Worte kamen zu spät. Für uns war keine Zukunft vorgesehen, obwohl ich den Traum davon so oft geträumt habe, auch mit ihr gemeinsam. Vielleicht sind es ihre grünen Augen, die mich durch die Xenonscheinwerfers eines fast jeden Taxis anblicken und mich daran denken lassen, was einmal war. Mich davor bewahren, innerlich abzustumpfen. Mich jedes mal daran erinnern, wie sensationell diese Zeit war, wie sehr mir das Gemisch aus Liebe, Wut, Schmerz, Freude und Glück den Verstand geraubt hat. Ich bereue nichts. Ich würde nichts anders machen.
Ich liebe dich, Frau.

8.2.09 22:54


Episode 2: my toruniquet

erstellt am 28-06-2007 um 00:24

Ich kam zum ersten Mal zu spät auf der Arbeit an. Es war nicht schlimm, für niemanden außer mich. Wenn ich sonst der Erste bin, der zum täglichen Schaffen antanzt, waren es heute die Träume und die Gleichgültigkeit, die mich länger im Bett behielten als üblich. Ich konnte nicht anders, als eine Weile liegen bleiben und nachdenken. Ich wollte es nicht allzu lang werden lassen, doch das Ticken der Uhr beförderte mich immer mehr in einen Zustand, den ich bei mir bisher nur selten feststellen konnte. Es war mir völlig gleich, ob ich aufstehe, ob ich unrasiert zur Arbeit erscheine oder welche Klamotten ich anziehe. Mein Kopf wollte nicht aus dem Bett, denn in diesem Bett lebte noch der Traum, den ich in dieser Nacht hatte. Als drohte ich alles Geträumte zu vergessen, wenn ich aufstehe. Auch das war nichts besonderes, dass ich komische Dinge träumte. Nur Grund und Auslöser dieses Traums ließen mich einfach nicht los. Es war die Taxifahrt, die den Stauschlauch gelöst hat. Die Gedanken und Gefühle strömen nur so durch mich durch, meine Finger jucken und wollen über die Tastatur rasen, alles loswerden, denn ich habe das Gefühl zu platzen, wenn ich mich nicht befreie. Die Gefühle wichen nicht durch genügende Ablenkung bei der Arbeit, sie machten sich vielmehr bemerkbar, je mehr ich versuchte, ihnen zu entkommen. Mit unsichtbaren Fäden manövrierten sie mich durch diesen Tag und überrollten mich erneut, als ich nach Feierabend auf dem Sofa zusammensackte.
Welchem Gefühl bin ich gefolgt, als ich meine Existenz aufgab für etwas völlig Neues und Unbekanntes? Welche Sicherheiten hatte ich? Es war ein altes Versprechen, das ich als verbindlich ansah. Das Versprechen, einem Freund zu folgen, wenn ich dafür reif bin. Jetzt wohnen wir zusammen und es klappt. Es war ein Traum, irgendwo von Null anzufangen, ohne jegliche Rückenstärkung. Ich mag meinen Job und meine sozialen Kontakte hier, ich fahre jährlich in Urlaub und ich es gefällt mir. Es war Neugierde, die Frage nachdem, was mich erwartet in dieser unbekannten Gegend, ob ich mich auch hier beweisen kann. Ich fahre an den langen Wochenenden in neue Städte, erkunde das mir noch immer neue Land, lerne Menschen kennen und ich mag es. Ich kannte genau einen einzigen Menschen hier, als ich ankam und jetzt ist mein Horizont so sehr gewachsen. Ich bin ein glücklicher Mensch, ich kann zufrieden sein, mit dem, was ich geschafft und aufgebaut habe in dieser Zeit. Doch es fehlt was und das merke ich nicht erst jetzt. Ich dachte auch an alte Freunde, auf ein Wiedersehen mit welchen ich zurzeit brenne, doch das ist nicht machbar. Meine Gedanken trugen mich auch zu der Frau, die nie meine war. Es war der größte Fehler, sie zurück zu lassen, obwohl sie keine Anstalten machte, mich davon abzubringen. Auch ihr Leben ist weitergegangen und sie schien mir glücklich, als wir das letzte Mal in Kontakt traten. Ich könnte nicht einfach vor ihrer Tür stehen und weitermachen, wo es damals aufhörte, so sehr ich das auch möchte. Sie ist nun ein anderer Mensch, als der, den ich zurückließ. Ich verstehe das und trotzdem werde ich nie aufhören von ihr zu träumen. Sie war einfach zu viele Jahre lang die Frau meiner Träume und bleibt es, obwohl die Frau von damals sich nun auch in einen Traum verwandelt hat.
Ich möchte diesen schönen Film von menschlichem Leben abschalten und wieder mein altes Leben aufnehmen. Heute spürte ich das mehr, als je zuvor. Ich weiß, dass es nicht geht, aber ich gebe nicht auf. Denn ich gab auch dieser Frau ein Versprechen; dass ich zurückkommen werde, in ein paar Jahren. Ich wusste noch nicht, ob meine „Heimkehr“ bindend und von Dauer sein würde, doch jetzt bin ich mir sicher, dass ich bleibe, wenn ich erst einmal angekommen bin. Versprechen halte ich für gewöhnlich ein, wie man sieht, so skurril sie auch manchmal sein mögen.

8.2.09 22:52


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