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Episode 1: my broken car.

erstellt am 27-06-2007 um 03:30

 

Es war wieder so weit, dass mein Auto in die Werkstatt musste. Das ist nichts besonderes und um die Kosten ginge es mir auch nicht. Ich freute mich vielmehr, denn so konnte ich meiner üblichen Faulheit entkommen und ein wenig laufen. Ich beschloss nach Feierabend ein Stück meines Heimwegs zu Fuß zu gehen. Ich nahm einen kleinen Umweg. Es tat gut, weil ich das schon lange nicht mehr getan habe und auch sonst wenig körperliche Anstrengung in letzter Zeit hatte. Als es anfing zu regnen, bemerkte ich, dass ich meinen Regenschirm vergessen hatte. Ich ging weiter im Regen und hielt Ausschau nach einer Bushaltestelle. Plötzlich sah ich es. Zuerst bemerkte ich das grünliche Licht der Xenonscheinwerfer, die leicht verwaschen im Regen aufblinzelten. Dann erst sah ich, dass es sich um ein Taxi handelte und ich pfiff, obwohl es unüblich ist, hier nach einem Taxi zu pfeifen. Ich habe das nicht mehr getan, seit ich hierher gezogen bin und nun erwischte ich mich dabei, wie ich pfiff, aus alter Gewohnheit, die ich als abgelegt wertete. Ich stieg hinein und nannte meine Adresse. Auf der Rückbank saß ich und sah den Scheibenwischern dabei zu, wie sie den Regen vom Glas beseitigen und ich erinnerte mich. Früher bin ich oft mit solchen Taxis heimgefahren. Grüne Xenonaugen und südländische Taxifahrer. Als würden Welten verschmelzen und ich war dabei. Abgetanes mit Aktuellem, Vergangenes mit Gegenwärtigem und die Zukunft auf der Schwelle. Ich erinnerte mich daran, wie ich damals in Taxis stieg, weil ich zu eitel war um den Bus zu nehmen. In meinem früheren Leben, bevor ich mich hier niederließ, gab es eine Wohnung, zu der ich unzählige Treppen hochkraxeln musste und sie war klein. Es gab einen Supermarkt an der Ecke, wo ich die Kassiererinnen beim Vornamen ansprach und eine Kneipe, wo der Zigarettenautomat immer kaputt war. Es gab Leute, die meinen Namen richtig aussprachen und einen Chef, der selbstverliebt war. Mir war, als wäre ich auf dem Heimweg in diese alte Wohnung von dieser alten Arbeit. Als wäre ich um Jahre jünger und meine Haare um einiges kürzer. Ich fühlte mich, als könnte ich wieder im schmuddeligen Supermarkt einen Sixpack kaufen, alte Freunde anrufen und sie auf ein Bier einladen, wenn ich zuhause ankomme. Es gab auch eine Frau in diesem alten Leben und ihre Anwesenheit fühlte ich in diesen Minuten besonders. Sie war nicht meine Frau, aber wohl die einzige, der ich mich auf diese Art verbunden fühlte. Auch sie war eine verschwommene Grenzlinie, zwischen Kumpel und Geliebte. Akzeptiert von meinen Freunden, witzig und gesellig. Wenn ich mit ihr allein war, genügte mir Freundschaft aber nicht mehr. Ich fühlte wieder ihre kalten Fingerspitzen meinen Nacken berühren und sah sie vor mir, wie sie raucht, mit dem üblichen geheinmissvollen Blick in ihren Augen, ich nahm den Duft ihrer Haare wahr und hörte sie meinen Namen flüstern. Als sei sie Wirklichkeit und dabei saß ich allein in einem Taxi. Die Nachrichten im Radio holten mich zurück in die Realität. Ich gab dem Fahrer viel Trinkgeld, als ich bemerkte, dass er Südländer war. Als Dank für diese Fahrt, für diese Zeitreise. Ich schloss die Tür zu der großen neuen Wohnung auf, die ich nun schon länger bewohne, mein Mitbewohner würde wohl auch gleich zurück sein. Ich zog meine Schuhe aus und schob eine Pizza in den Ofen, nahm mir ein kühles Bier, ich sagte : „Willkommen in der Realität, Kumpel!“ und leerte die Bierdose in einem Zug. In einer Realität, wo ich einen stinknormalen Chef habe und eine große Wohnung, wo meine Freunde eigentlich nur Bekanntschaften sind, für welche ein Hausmusikabend viel zu aufdringlich wäre, wo ich mich mit allem, was geschieht zufrieden gebe und nicht mehr über Treppen schimpfe, weil ich Parterre wohne, wo kein grünäugiges Taxi mich mehr heimbringt, weil ich ein eigenes Auto habe, wo es keine Frau gibt, die auf mich wartet, wo es vor allem nicht DIESE Frau gibt. Ich wollte schreien und alle vornehme Nachbarschaft an meinem Schmerz teilhaben lassen, es schmerzte, so stark wie nie verspürt. Ich ließ eine Brücke abreißen als ich hier ein neues Leben begann, die Brücke zu meiner Vergangenheit, meinem gesamten Leben bis dahin. Nach dem Schmerz kam die Leere, gefolgt von Schwäche. Mein einziger Wunsch war, für einen Tag in mein altes Leben zurückzukehren. Ich verspürte eine brennende Sehnsucht. Die Sehnsucht danach, nach einem harten Arbeitstag und Streit mit dem Chef in ein grünäugiges Taxi zu steigen und heimzukommen in die vertraute Straße, wo es nach Erbrochenem und Kanalisation riecht, schnell in den Supermarkt zu gehen und ein paar Freunde per SMS zu einem Hausmusikabend bequatschen, hechelnd die Treppen hoch zu steigen, mir auf der letzten Treppenstufe schwören, dass ich alsbald aufhöre zu rauchen und es doch nicht zu tun. Ich wünschte mir, dass sie meine Frau ist, die Frau, die daheim auf mich wartet und bereits in der offenen Tür steht, wenn sie meine lauten Flüche zwischen Etage 2 und 3 hört. Sie würde gekocht haben und mich wieder so ansehen, wie sie es immer tat. Ich lege meine Arme um sie, küsse sie und ich weiß, was es heißt, glücklich zu sein.

My green-eyed taxi, just bring me to the place that I call home...

8.2.09 22:49


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Zu dem, was folgen wird:

Die folgenden 12 Einträge sind etwas älter, aber ohne sie gäbe es das alles nicht.

Ich dachte, ich sei mit keinem außergewöhnlichen Leben gesegnet, wie die Menschen, die ich auf Nachtwelten kennenlernte. Meins war eben normal, hebte kaum von der Masse ab und es war gut so. Bis ich anfing mir Fragen zu stellen. Ich war aus dem üblichen Fragealter raus und doch kamen sie. Sie sammelten sich über Jahre und jetzt ist mein Kopf von zu vielen Gedanken durchzogen. Es sind Momente aus meinem Leben, die mir besonders in Erinnerung haften blieben und eigene Gefühle, die ich nicht ausleben kann und darf. Ein normaler Mensch der sich durch ein normales Leben schlägt.
Doch im grünen Xenonlicht betrachtet ist auch mein Leben ein außergewöhnliches. Die folgenden 12 Episoden sollen eileitend sein.

 

8.2.09 22:48


Me the cabman

In einem satten, toxischen Grün erstrahlt er nun. Ich wollte nie so werden, wie meine liebe Freundin Elena und meine täglichen Freuden & Sorgen auf einem Blog dokumentieren. Jedoch fing ich schon vor Jahren damit an, in einer Vorstufe, will man sagen. Das Nachtwelten Board lud mich dazu ein, die viel von Elena umschwärmten Nebelpfade waren meiner Gedanken Zuflucht geworden. Im Sommer 2007 fing ich damit an, meine Gedanken auszusprechen, nachdem sie Jahre geruht haben. Ich muss gestehen, es tat mir gut.

Nun ist alles anders; Leute, die mir auf Nachtwelten wichtig waren, gingen irgendwann und die, die meine Freundschaft anfänglich gesucht haben, entpuppten sich in meinen Augen als Blender, aber Vicky und Elena hatten mich schon vorgewarnt. Ich verlies die Nachtwelten grußlos, weil es niemanden mehr zu grüßen gab. Das einzige, was mir fehlt, sind die Pfade, darum mache ich meinen eigenen Pfad auf.

Recht ungewöhnlich ist es für einen Taxifahrer, sich vorzustellen, aber ich bin keiner, deshalb. Gestatten - Jérôme Eugène ist mein Name. Wie ihr mich nennt, bleibt euch überlassen, ich höre mittlerweile auf beide Namen und die meisten geben sich eh mit Gene zufrieden, aber das ist eine andere Geschichte. Ich bin ein Mann in den besten Jahren, sprich 30, habe ein gewöhnliches Äußeres und einen gewöhnlichen, aber etwas besser bezahlten, Job.

Was ich mit einem Taxifahrer gemein haben mag? Objektiv betrachtet nichts. Ich bin weder Südländer, noch arm. Ich habe einen angenehmen Job in einem Büro und sonderlich viele, lange Autofahrten genieße ich auch nicht. Doch seit diesem einen Abend, wo mein Auto in der Werkstatt war und ich eine Fahrt im kanadischen Taxi genoss, das sich für mich in eine Zeitmaschine verwandelte, mich in meiner Erinnerung zurückreisen ließ und mir verdeutlichte, wie arm mein erfülltes Leben doch war, bin ich diesem Objekt der Personenbeförderung näher denn je. Wie und warum, das ist in meinem nächsten Post zu erfahren.

Ich bin der Fahrer eines Taxis, das grüne Xenonaugen hat, die in der Nacht blinzeln. Ein Taxifahrer auf dem Weg durch das Leben, schlängle mich tagtäglich druch die Straßen, mein Ziel heißt Zukunft. Gäste steigen in mein Gefährt ein, begleiten mich eine Weile, steigen aus, neue steigen ein. Ich habe viele Geschichten gehört und selbst eine eigene Geschichte zu erzählen. So lade ich den Leser dieses Blogs herzlich ein, sich zu mir ins Taxi zu setzen, ein Stück weit mitzufahren, meiner Geschichte zu lauschen, einen Teil meiner Welt zu sehen, wie ich sie sehe.

8.2.09 22:39


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