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Me the cabman

In einem satten, toxischen Grün erstrahlt er nun. Ich wollte nie so werden, wie meine liebe Freundin Elena und meine täglichen Freuden & Sorgen auf einem Blog dokumentieren. Jedoch fing ich schon vor Jahren damit an, in einer Vorstufe, will man sagen. Das Nachtwelten Board lud mich dazu ein, die viel von Elena umschwärmten Nebelpfade waren meiner Gedanken Zuflucht geworden. Im Sommer 2007 fing ich damit an, meine Gedanken auszusprechen, nachdem sie Jahre geruht haben. Ich muss gestehen, es tat mir gut.

Nun ist alles anders; Leute, die mir auf Nachtwelten wichtig waren, gingen irgendwann und die, die meine Freundschaft anfänglich gesucht haben, entpuppten sich in meinen Augen als Blender, aber Vicky und Elena hatten mich schon vorgewarnt. Ich verlies die Nachtwelten grußlos, weil es niemanden mehr zu grüßen gab. Das einzige, was mir fehlt, sind die Pfade, darum mache ich meinen eigenen Pfad auf.

Recht ungewöhnlich ist es für einen Taxifahrer, sich vorzustellen, aber ich bin keiner, deshalb. Gestatten - Jérôme Eugène ist mein Name. Wie ihr mich nennt, bleibt euch überlassen, ich höre mittlerweile auf beide Namen und die meisten geben sich eh mit Gene zufrieden, aber das ist eine andere Geschichte. Ich bin ein Mann in den besten Jahren, sprich 30, habe ein gewöhnliches Äußeres und einen gewöhnlichen, aber etwas besser bezahlten, Job.

Was ich mit einem Taxifahrer gemein haben mag? Objektiv betrachtet nichts. Ich bin weder Südländer, noch arm. Ich habe einen angenehmen Job in einem Büro und sonderlich viele, lange Autofahrten genieße ich auch nicht. Doch seit diesem einen Abend, wo mein Auto in der Werkstatt war und ich eine Fahrt im kanadischen Taxi genoss, das sich für mich in eine Zeitmaschine verwandelte, mich in meiner Erinnerung zurückreisen ließ und mir verdeutlichte, wie arm mein erfülltes Leben doch war, bin ich diesem Objekt der Personenbeförderung näher denn je. Wie und warum, das ist in meinem nächsten Post zu erfahren.

Ich bin der Fahrer eines Taxis, das grüne Xenonaugen hat, die in der Nacht blinzeln. Ein Taxifahrer auf dem Weg durch das Leben, schlängle mich tagtäglich druch die Straßen, mein Ziel heißt Zukunft. Gäste steigen in mein Gefährt ein, begleiten mich eine Weile, steigen aus, neue steigen ein. Ich habe viele Geschichten gehört und selbst eine eigene Geschichte zu erzählen. So lade ich den Leser dieses Blogs herzlich ein, sich zu mir ins Taxi zu setzen, ein Stück weit mitzufahren, meiner Geschichte zu lauschen, einen Teil meiner Welt zu sehen, wie ich sie sehe.

8.2.09 22:39


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Zu dem, was folgen wird:

Die folgenden 12 Einträge sind etwas älter, aber ohne sie gäbe es das alles nicht.

Ich dachte, ich sei mit keinem außergewöhnlichen Leben gesegnet, wie die Menschen, die ich auf Nachtwelten kennenlernte. Meins war eben normal, hebte kaum von der Masse ab und es war gut so. Bis ich anfing mir Fragen zu stellen. Ich war aus dem üblichen Fragealter raus und doch kamen sie. Sie sammelten sich über Jahre und jetzt ist mein Kopf von zu vielen Gedanken durchzogen. Es sind Momente aus meinem Leben, die mir besonders in Erinnerung haften blieben und eigene Gefühle, die ich nicht ausleben kann und darf. Ein normaler Mensch der sich durch ein normales Leben schlägt.
Doch im grünen Xenonlicht betrachtet ist auch mein Leben ein außergewöhnliches. Die folgenden 12 Episoden sollen eileitend sein.

 

8.2.09 22:48


Episode 1: my broken car.

erstellt am 27-06-2007 um 03:30

 

Es war wieder so weit, dass mein Auto in die Werkstatt musste. Das ist nichts besonderes und um die Kosten ginge es mir auch nicht. Ich freute mich vielmehr, denn so konnte ich meiner üblichen Faulheit entkommen und ein wenig laufen. Ich beschloss nach Feierabend ein Stück meines Heimwegs zu Fuß zu gehen. Ich nahm einen kleinen Umweg. Es tat gut, weil ich das schon lange nicht mehr getan habe und auch sonst wenig körperliche Anstrengung in letzter Zeit hatte. Als es anfing zu regnen, bemerkte ich, dass ich meinen Regenschirm vergessen hatte. Ich ging weiter im Regen und hielt Ausschau nach einer Bushaltestelle. Plötzlich sah ich es. Zuerst bemerkte ich das grünliche Licht der Xenonscheinwerfer, die leicht verwaschen im Regen aufblinzelten. Dann erst sah ich, dass es sich um ein Taxi handelte und ich pfiff, obwohl es unüblich ist, hier nach einem Taxi zu pfeifen. Ich habe das nicht mehr getan, seit ich hierher gezogen bin und nun erwischte ich mich dabei, wie ich pfiff, aus alter Gewohnheit, die ich als abgelegt wertete. Ich stieg hinein und nannte meine Adresse. Auf der Rückbank saß ich und sah den Scheibenwischern dabei zu, wie sie den Regen vom Glas beseitigen und ich erinnerte mich. Früher bin ich oft mit solchen Taxis heimgefahren. Grüne Xenonaugen und südländische Taxifahrer. Als würden Welten verschmelzen und ich war dabei. Abgetanes mit Aktuellem, Vergangenes mit Gegenwärtigem und die Zukunft auf der Schwelle. Ich erinnerte mich daran, wie ich damals in Taxis stieg, weil ich zu eitel war um den Bus zu nehmen. In meinem früheren Leben, bevor ich mich hier niederließ, gab es eine Wohnung, zu der ich unzählige Treppen hochkraxeln musste und sie war klein. Es gab einen Supermarkt an der Ecke, wo ich die Kassiererinnen beim Vornamen ansprach und eine Kneipe, wo der Zigarettenautomat immer kaputt war. Es gab Leute, die meinen Namen richtig aussprachen und einen Chef, der selbstverliebt war. Mir war, als wäre ich auf dem Heimweg in diese alte Wohnung von dieser alten Arbeit. Als wäre ich um Jahre jünger und meine Haare um einiges kürzer. Ich fühlte mich, als könnte ich wieder im schmuddeligen Supermarkt einen Sixpack kaufen, alte Freunde anrufen und sie auf ein Bier einladen, wenn ich zuhause ankomme. Es gab auch eine Frau in diesem alten Leben und ihre Anwesenheit fühlte ich in diesen Minuten besonders. Sie war nicht meine Frau, aber wohl die einzige, der ich mich auf diese Art verbunden fühlte. Auch sie war eine verschwommene Grenzlinie, zwischen Kumpel und Geliebte. Akzeptiert von meinen Freunden, witzig und gesellig. Wenn ich mit ihr allein war, genügte mir Freundschaft aber nicht mehr. Ich fühlte wieder ihre kalten Fingerspitzen meinen Nacken berühren und sah sie vor mir, wie sie raucht, mit dem üblichen geheinmissvollen Blick in ihren Augen, ich nahm den Duft ihrer Haare wahr und hörte sie meinen Namen flüstern. Als sei sie Wirklichkeit und dabei saß ich allein in einem Taxi. Die Nachrichten im Radio holten mich zurück in die Realität. Ich gab dem Fahrer viel Trinkgeld, als ich bemerkte, dass er Südländer war. Als Dank für diese Fahrt, für diese Zeitreise. Ich schloss die Tür zu der großen neuen Wohnung auf, die ich nun schon länger bewohne, mein Mitbewohner würde wohl auch gleich zurück sein. Ich zog meine Schuhe aus und schob eine Pizza in den Ofen, nahm mir ein kühles Bier, ich sagte : „Willkommen in der Realität, Kumpel!“ und leerte die Bierdose in einem Zug. In einer Realität, wo ich einen stinknormalen Chef habe und eine große Wohnung, wo meine Freunde eigentlich nur Bekanntschaften sind, für welche ein Hausmusikabend viel zu aufdringlich wäre, wo ich mich mit allem, was geschieht zufrieden gebe und nicht mehr über Treppen schimpfe, weil ich Parterre wohne, wo kein grünäugiges Taxi mich mehr heimbringt, weil ich ein eigenes Auto habe, wo es keine Frau gibt, die auf mich wartet, wo es vor allem nicht DIESE Frau gibt. Ich wollte schreien und alle vornehme Nachbarschaft an meinem Schmerz teilhaben lassen, es schmerzte, so stark wie nie verspürt. Ich ließ eine Brücke abreißen als ich hier ein neues Leben begann, die Brücke zu meiner Vergangenheit, meinem gesamten Leben bis dahin. Nach dem Schmerz kam die Leere, gefolgt von Schwäche. Mein einziger Wunsch war, für einen Tag in mein altes Leben zurückzukehren. Ich verspürte eine brennende Sehnsucht. Die Sehnsucht danach, nach einem harten Arbeitstag und Streit mit dem Chef in ein grünäugiges Taxi zu steigen und heimzukommen in die vertraute Straße, wo es nach Erbrochenem und Kanalisation riecht, schnell in den Supermarkt zu gehen und ein paar Freunde per SMS zu einem Hausmusikabend bequatschen, hechelnd die Treppen hoch zu steigen, mir auf der letzten Treppenstufe schwören, dass ich alsbald aufhöre zu rauchen und es doch nicht zu tun. Ich wünschte mir, dass sie meine Frau ist, die Frau, die daheim auf mich wartet und bereits in der offenen Tür steht, wenn sie meine lauten Flüche zwischen Etage 2 und 3 hört. Sie würde gekocht haben und mich wieder so ansehen, wie sie es immer tat. Ich lege meine Arme um sie, küsse sie und ich weiß, was es heißt, glücklich zu sein.

My green-eyed taxi, just bring me to the place that I call home...

8.2.09 22:49


Episode 2: my toruniquet

erstellt am 28-06-2007 um 00:24

Ich kam zum ersten Mal zu spät auf der Arbeit an. Es war nicht schlimm, für niemanden außer mich. Wenn ich sonst der Erste bin, der zum täglichen Schaffen antanzt, waren es heute die Träume und die Gleichgültigkeit, die mich länger im Bett behielten als üblich. Ich konnte nicht anders, als eine Weile liegen bleiben und nachdenken. Ich wollte es nicht allzu lang werden lassen, doch das Ticken der Uhr beförderte mich immer mehr in einen Zustand, den ich bei mir bisher nur selten feststellen konnte. Es war mir völlig gleich, ob ich aufstehe, ob ich unrasiert zur Arbeit erscheine oder welche Klamotten ich anziehe. Mein Kopf wollte nicht aus dem Bett, denn in diesem Bett lebte noch der Traum, den ich in dieser Nacht hatte. Als drohte ich alles Geträumte zu vergessen, wenn ich aufstehe. Auch das war nichts besonderes, dass ich komische Dinge träumte. Nur Grund und Auslöser dieses Traums ließen mich einfach nicht los. Es war die Taxifahrt, die den Stauschlauch gelöst hat. Die Gedanken und Gefühle strömen nur so durch mich durch, meine Finger jucken und wollen über die Tastatur rasen, alles loswerden, denn ich habe das Gefühl zu platzen, wenn ich mich nicht befreie. Die Gefühle wichen nicht durch genügende Ablenkung bei der Arbeit, sie machten sich vielmehr bemerkbar, je mehr ich versuchte, ihnen zu entkommen. Mit unsichtbaren Fäden manövrierten sie mich durch diesen Tag und überrollten mich erneut, als ich nach Feierabend auf dem Sofa zusammensackte.
Welchem Gefühl bin ich gefolgt, als ich meine Existenz aufgab für etwas völlig Neues und Unbekanntes? Welche Sicherheiten hatte ich? Es war ein altes Versprechen, das ich als verbindlich ansah. Das Versprechen, einem Freund zu folgen, wenn ich dafür reif bin. Jetzt wohnen wir zusammen und es klappt. Es war ein Traum, irgendwo von Null anzufangen, ohne jegliche Rückenstärkung. Ich mag meinen Job und meine sozialen Kontakte hier, ich fahre jährlich in Urlaub und ich es gefällt mir. Es war Neugierde, die Frage nachdem, was mich erwartet in dieser unbekannten Gegend, ob ich mich auch hier beweisen kann. Ich fahre an den langen Wochenenden in neue Städte, erkunde das mir noch immer neue Land, lerne Menschen kennen und ich mag es. Ich kannte genau einen einzigen Menschen hier, als ich ankam und jetzt ist mein Horizont so sehr gewachsen. Ich bin ein glücklicher Mensch, ich kann zufrieden sein, mit dem, was ich geschafft und aufgebaut habe in dieser Zeit. Doch es fehlt was und das merke ich nicht erst jetzt. Ich dachte auch an alte Freunde, auf ein Wiedersehen mit welchen ich zurzeit brenne, doch das ist nicht machbar. Meine Gedanken trugen mich auch zu der Frau, die nie meine war. Es war der größte Fehler, sie zurück zu lassen, obwohl sie keine Anstalten machte, mich davon abzubringen. Auch ihr Leben ist weitergegangen und sie schien mir glücklich, als wir das letzte Mal in Kontakt traten. Ich könnte nicht einfach vor ihrer Tür stehen und weitermachen, wo es damals aufhörte, so sehr ich das auch möchte. Sie ist nun ein anderer Mensch, als der, den ich zurückließ. Ich verstehe das und trotzdem werde ich nie aufhören von ihr zu träumen. Sie war einfach zu viele Jahre lang die Frau meiner Träume und bleibt es, obwohl die Frau von damals sich nun auch in einen Traum verwandelt hat.
Ich möchte diesen schönen Film von menschlichem Leben abschalten und wieder mein altes Leben aufnehmen. Heute spürte ich das mehr, als je zuvor. Ich weiß, dass es nicht geht, aber ich gebe nicht auf. Denn ich gab auch dieser Frau ein Versprechen; dass ich zurückkommen werde, in ein paar Jahren. Ich wusste noch nicht, ob meine „Heimkehr“ bindend und von Dauer sein würde, doch jetzt bin ich mir sicher, dass ich bleibe, wenn ich erst einmal angekommen bin. Versprechen halte ich für gewöhnlich ein, wie man sieht, so skurril sie auch manchmal sein mögen.

8.2.09 22:52


Episode 3: my (non)wife

 erstellt am 28-06-2007 um 01:34

Ich möchte doch noch etwas mehr loswerden heute Abend. Eigentlich wollte ich genau das schreiben, als ich mich vor den Rechner setze. Doch scheinbar war es der erste Eintrag, der zuerst niedergeschrieben werden wollte. Ich wollte es dabei belassen, aber ich fürchte, dass ich mich nicht vom Fleck rühren werde, bis ich auch das andere aufgeschrieben habe. Es geht hier um sie, die Frau, die mir nie gehörte und nie gehören wird. 

Eine kleine Zicke war sie, als ich sie kennen lernte. Ihr Ton, ihre Art, ihre Kleidung, ihre giftgrünen Augen, nichts davon gefiel mir. Wie alle Teenager im entsprechenden Alter und ich lachte über ihre gekünstelte Aufregung. Als ich sie wiedersah, war es ein Zufall, der uns beide zugleich überraschte. Vergessen hatte ich sie nicht und ich gab ihr die Chance, meinen Eindruck zu bestätigen oder zu verwerfen. Sie war plötzlich so hübsch, ich glaubte, noch nie etwas Schöneres erblickt zu haben. Es handelte sich um keine gewöhnliche Schönheit. Sie war klar anders und genau das machte sie so schön. Ich wollte sie kennen lernen und lernte mich selbst kennen. Wir unternahmen viel, ich zeigte ihr schöne Ortschaften und Menschen, die ich mochte. Sie zeigte mir im Gegenzug das Leben, das wahre und wirkliche, mit all den Gefühlen, Gedanken und Abgründen, die es bietet und schließlich öffnete sie mir das Tor zu mir selbst, damit ich das Lebendige in mir suchen kann. Tränen glitzerten, als ich merkte, wie arm mein erfülltes Leben war. Denn eigentlich habe ich nur um des Lebens Willen gelebt, mich verhalten, wie ich am Muster erkennen konnte, gearbeitet, gefeiert. Ich habe nie über Gefühle oder den Sinn des Lebens nachgedacht. Ich hatte keine Fragen an die Welt und sie verlangte keine Antworten. Was folgte, war ein Chaos. Ich strukturierte mein soziales Leben neu, löste mich von Zweckbeziehungen, vertiefte Freundschaften mit Leuten, die mir etwas bedeuteten und ließ andere Fallen, weil ich gefühlsmäßig zu wenig an sie gebunden war. Ich fing an diese Frau zu lieben, auch körperlich, doch ich konnte sie nie für mich gewinnen. Es gab immer einen besseren als mich, einen der besser zu ihr oder zu ihrer Situation passte, einen für den sie mehr oder auch weniger empfand, einen der sie besser verstand. Doch ich wich nicht von ihrer Seite, sie konnte immer zu mir zurück, ich ließ ihr diese Option, weil ich hoffte, dass ich irgendwann derjenige sein dürfte, der am besten zu ihr passt, ich hoffte, dass sie es erkennt. Durch sie lebte ich wirklich. Der arrogante und oberflächliche Mann, der ich war hat das Leben erlernt. Wenn ich traurig war, habe ich keine Scheu gehabt zu weinen, wenn ich wütend war, schrie ich, manchmal wurde mir schwindelig vor Freude und ich konnte stundenlang nicht aufhören zu lachen. Ich lernte sie mit jedem Tag mehr lieben und manchmal hassen. Ich ließ mir wehtun, weil sie es mir Wert war. An anderen Tagen brachte sie mir so viel Freude, wie ich es nie vermutet hätte. Ich ließ ihren Schmerz und ihr Glück zu meinem werden. Einmal fischte ich einen Ring aus einem Kaugummiautomaten und machte ihr einen Antrag. Es sah aus wie ein Scherz, weil ich sichtlich angetrunken war, doch mein Herzen meinte es immer ernst, denn sie war die einzige, mit der ich mir ein Leben vorstellen konnte.
Ich öffnete mich für andere Menschen, andere Lieben und ich ließ es zu, neue Erfahrungen zu machen, auch wenn sie schmerzhaft endeten. Jedes Mal wenn ich mich verliebte, war es die Liebe zu ihr, wenn ich verletzt wurde, spürte ich die Verletzungen, die sie mir zugefügt hat, mit neuen Sehnsüchten war auch die Sehnsucht nach ihr verbunden.
Ich wollte nie glauben, dass sie mich nicht ein bisschen liebt. Es war schön, als ich einmal in dieser Hinsicht von ihr bestätigt wurde. Dass sie mich geliebt hat, all die Jahre lang. Es war so ein wunderschönes Gefühl und traurig im selben Moment, denn ihre Worte kamen zu spät. Für uns war keine Zukunft vorgesehen, obwohl ich den Traum davon so oft geträumt habe, auch mit ihr gemeinsam. Vielleicht sind es ihre grünen Augen, die mich durch die Xenonscheinwerfers eines fast jeden Taxis anblicken und mich daran denken lassen, was einmal war. Mich davor bewahren, innerlich abzustumpfen. Mich jedes mal daran erinnern, wie sensationell diese Zeit war, wie sehr mir das Gemisch aus Liebe, Wut, Schmerz, Freude und Glück den Verstand geraubt hat. Ich bereue nichts. Ich würde nichts anders machen.
Ich liebe dich, Frau.

8.2.09 22:54


Episode 4: these roads

erstellt am 29-06-2007 um 01:56

Ich ging heute spazieren. Ich wollte meinen Körper nicht mehr so einrosten lassen. Arbeiten, Fertiggerichte und Bier sind nicht das Beste. Ich bin zwar weder sonderlich dick, noch habe ich gesundheitliche Probleme dadurch, aber ich wollte Vorsorge üben. Zumindest war das die soziale Fassung. Eigentlich wollte ich nur allein sein mit mir und meinem Kopf. Ich wollte, dass niemand mich stört und niemand irgendetwas von mir möchte. Keine Fragen beantworten und keine Blicke auf mir spüren. Mir geht es immer so, als würden die Menschen in meinen Kopf hineinstieren, wenn ich irgendwo in Gesellschaft Bekannter nachdenke. Also stellte ich mein Auto in einem etwas entfernten Stadtteil ab und lief einfach vor mich hin. Mein Kopf musste die Richtung nicht angeben, denn er war zu beschäftigt, meine Füße wussten wohin.
Es ist selten, dass ich mich mit meinen Gefühlen auseinandersetze. Ich mache es nur, wenn es wirklich brennend ist. Mein Leben lebt sich, es ist ein Leben, das sich viele Leute wünschen oder auch eins, von dem manche nicht zu träumen wagen. Die perfekte Existenz. Doch eben das ist der Störfaktor, das bloße existieren, wo das wahre (er)leben zu kurz kommt. Ich versuchte mir zu verdeutlichen, warum ich eigentlich unglücklich bin, wo ich doch alles habe. Es fehlt zu viel. Es fehlt mir, einen ausgelassenen Abend mit Freunden zu haben, ohne Anspannung und gespielter Höflichkeit. Ich möchte doch nur einmal laut fluchen ohne dass ich schief angesehen werde. Ich möchte ein Fußballlied singen, wenn meine Lieblingsmannschaft gewinnt. Ich möchte Leute finden, die mit mir morgens um drei Käse essen und Wein trinken, in ein paar Decken gewickelt, fröhlich und das in aller Öffentlichkeit. Einmal ohne darauf zu achten, was die anderen dazu sagen, ob das sich so gehört oder ob es zu unserer Altersgruppe passt. Ich frage mich, warum es nicht geht, ob ich einfach nur die falschen Leute kenne. Doch wo soll ich anfangen, die richtigen zu suchen? Die perfekten Freunde hatte ich jahrelang um mich und erst im Nachhinein erscheinen sie mir perfekt, obwohl ich sie damals oft verfluchte. Jetzt weiß ich, dass diese Freundschaften einfach nur ehrlich waren und Ehrlichkeit ist so selten. Hier habe ich sie bislang nicht in diesem Ausmaße finden können, noch nicht einmal ein Stück davon. Es fehlt mir, mich jemandem anzuvertrauen, der mich nicht für meine Gefühle verurteilt und auch dazu gehört Ehrlichkeit, auf beiden Seiten. Natürlich stehe ich in Kontakt mit meinen alten Freunden, aber ihre körperliche Anwesenheit ist manchmal so zwingend erforderlich. Manchmal brauche ich auch eine Schulter zum ausheulen. In Momenten wie diesen will ich einfach nur zurück und in letzter Zeit will ich zu oft und zu gerne zurück, aber es geht nicht.
Meine Füße trugen mich zu einem kleinen CD-Shop und dort kaufte ich eine Platte von einer Gruppe, die ich nie beim Namen gehört habe. Das Cover, der Name der Band und des Albums, die Tracklist, es wirkte alles so passend auf mich und ich kaufte sie. Ganz selbständig fanden meine Füße zurück zum Auto, als hätten sie mich nur für diese CD durch die vielen Straßen gelotst. Ich habe die CD nun in Schleife gehört seit ich zuhause bin. Ich habe mich auch wieder mit nicht meiner Frau unterhalten und sie sagte, dass sie die Band zurzeit auch dauerhört. Ich wusste es vorher nicht und es muss einfach Intuition sein. So wie ich mit ihr verbunden bin in den letzten Tagen. Ich gab ihr ein weiteres Versprechen, das ich einhalten werde. Sie wirkt, trotz ihrer komplizierten Lage, so glücklich im Moment. Ich möchte nichts daran ändern. Sie soll meinen emotionalen Krieg nicht verinnerlichen. Obwohl ihre Sorge um mich mir schmeichelt, mich aufs Tiefste berührt, möchte ich sie nicht, aus Angst, ihr Glück zu gefährden. Es ist ein Krieg, den ich mit mir selbst ausfechten muss.

From this moment, how can it feel, this wrong ...

8.2.09 22:55


Episode 5: her joy (or: these icy thorns)

 erstellt am 29-06-2007 um 02:29

Ich habe sie noch nie so erlebt. Ihre Worte scheinen mir so reif und so hoffnungsvoll. Ihre Zuversicht, auf das Positive in der Zukunft ist erschreckend, sogar wahnsinnig und doch ist sie in meinen Augen richtig, weil ich diese Frau lange genug kenne, um zu wissen, dass sie solche Sätze nicht loslassen würde, wenn sie es nicht im Gefühl hätte. Ängste begleiten sie und Sorgen nagen an ihr, doch sie macht einfach weiter, ohne zu fragen wofür, ohne zu wissen, wie es ausgeht. Irgendwas sagt ihr, dass es sich lohnt und sie wirkt so glücklich.
Sie spricht ständig von ihm. Er ist der neue Mann an ihrer Seite. Ich habe sie oft über Männer sprechen gehört, doch nie auf diese Art und Weise. Ich wünsche mir, diese Worte würden mir gelten. Über mich allein soll sie so reden. Warum er und nicht ich? Warum ist er besser? Warum bin ich nicht genauso gut wie er? Vor einem knappen Jahr fiel sein Name zum ersten Mal in einem ihrer Briefe. Eigentlich war es nicht der Name, sie erwähnte diesen Menschen einfach und es war nicht ungewöhnlich, denn sie lernt schnell Menschen kennen. Es blieb einfach dabei, dass sie ihn ab und zu erwähnte, es waren Kleinigkeiten, die er gemacht hatte und die für sie so besonders waren. Aber dieser verträumte Ton zwischen den Zeilen … ob es ihre Absicht war? Oder ein bloßes Hirngespinst von mir? Doch jetzt gehört ihre ganze Liebe ihm. Sie sind schon länger ein Paar, ich war einer der ersten, die es erfuhren. Ich werde nicht mehr von ihr geliebt. Ich habe Angst, vergessen zu werden. Nur noch Vergangenheit zu sein, wenn er nun ihr ganzes Gut an Emotionen für sich beanspruchen darf. Jetzt glänzen ihre grünen Augen nur noch für ihn.
Ich sehe die beiden auf Fotos und es schmerzt. Sie und ein anderer, an der Stelle, wo ich sein möchte. Ich habe diverse Fotos von ihr und ihren Exfreunden gesehen, keines hat mich je so geschmerzt. Sie wirkt noch schöner als zuvor. Ich muss zugeben, dass ich ihn auch sehr hübsch finde, aber an dem guten Geschmack dieser Frau musste ich bisher nur selten zweifeln. Sie sehen sorglos aus, sie blicken müde oder lächelnd in die Linse, sie sprechen einfach für den Moment und strahlen pures Glück aus. Dieses Glück bohrt sich wie ein eisiger Dorn in mein Herz. Hätte sie ihn auch lieb, wenn ich nicht gegangen wäre? Wäre sie jetzt vielleicht doch meine Frau?
Ich bin nicht mehr der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Bin ich es jemals gewesen? Ich lache mich selbst aus für diese Kindereien. Ein Mann meines Alters hat nicht mehr diese Eifersucht auf Kindergartnenniveau zu empfinden und doch fühle ich sie. Der Verstand sagt mir, dass es Blödsinn ist und mein Herz weint währenddessen um sie. Er muss etwas ganz Besonderes sein, einen Gewöhnlichen würde sie nicht so sehr lieben. Natürlich wünsche ich ihr, ihnen beiden, dass das Glück, das sie teilen von ewiger Dauer ist. Ein Teil meines Herzens freut sich auch, dass es der Frau, die ich liebe so gut geht. Das mächtigste Gefühl ist dennoch der Schmerz. Denn zum ersten Mal glaube ich diese Frau an jemanden verloren zu haben. Es ist, als würde man einen Traum, eine Hoffnung begraben. Ich fühle mich so leer.
8.2.09 22:55


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