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Episode 11: Coming home

 erstellt am 05-11-2007 um 02:20

Der Sonntagabend klingt aus. Sehr lange schon dachte ich diese Wege verlassen zu haben und bin sehr glücklich, meine kleine Zuflucht wieder gefunden zu haben.
Es passiert so vieles, wenn man drei Monate auf ein Blatt Papier summieren will, dabei hatte ich noch nie so viel Angst vor Stagnation wie in der vergangenen Zeit. Die drei ist eine goldene Zahl.
Ich bin ein Mann der großen Pläne, doch die Umsetzung dauert meist das zehnfache oder findet erst gar nicht statt. So plante ich meine Heimkehr und kaufte Flugtickets, doch ab dem Moment wo sie in dem schwarzen Kästchen auf meinem Schreibtisch lagen, überkamen mich Zweifel. Ob ich auch das Richtige machte, ob ich das fände, wonach ich suchte? Im Endeffekt sind die Tickets noch immer hier und ich ebenso. Abflug war am 19.9, das ist schon sehr lange her.
Nicht nur sie, die Frau meines Herzens, bewegte mich zum bleiben. Mein Traum war eine Bruchlandung und dieser Sommer war der sanfte Gleitflug mit ausgefallenen Motoren und narkotisierten Piloten. Nichts wäre wie früher gewesen und endlich hat auch mein Herz etwas begriffen, wogegen ich mich anfänglich wehrte. Sie fand etwas Wunderbares, fernab meiner Träume, die sie eingeschlossen hielten. Als sie mir davon erzählte, muss ich zugeben, war ich wieder gekränkt, verletzt und zornig. Doch auf einmal begriff ich, dass es ihr Leben und sie mir gegenüber zu nichts verpflichtet ist. Ich kann es akzeptieren oder ewig unglücklich sein. Ich fragte, wie ihr Freund heißt. Als sie mir das verriet, antwortete ich: “Karsten ist ein sehr schöner Name.“, entschied mich mit diesem Satz für die Akzeptanz und ließ diese Frau ein für allemal los. Ich kann nicht sagen, dass ich sie nicht mehr liebe, denn damit werde ich niemals aufhören, aber ich möchte diesen Stillstand nicht mehr. Ich befürworte ihre Beziehung, ich sehe ihr Glück und es tut nicht weh. Ich weiß nun, irgendwann kann ich mich wieder verlieben. Vor drei Monaten noch hielt ich dies für unmöglich …
Manchmal begreift man, wie wichtig einem etwas ist, wenn der Abschied naht. Als ich herkam, war ich so voller Ideen und Hoffnungen. Ich hatte mich in den letzten Jahren zu einem großen Träumer entwickelt, ohne aber sie umsetzen zu können. Ich wollte nicht mit dem Gefühl gehen versagt zu haben und stellte eine Liste auf, von dem, was ich hier geschafft habe. Ich stellte fest, dass ich alle Träume verwirklicht hatte, bis auf einen: die Freundschaften. Ich klagte so oft über die Oberflächlichkeit und dabei hätte ich mich nur einmal an der Mauer meiner Ignoranz hochziehen müssen. Ich habe hier so viel Freundlichkeit erfahren und so viel Akzeptanz. Ich habe viele gute Menschen um mich, ich musste einfach nur zugreifen. Mittlerweile habe ich das getan und erfreue mich daran. Glücklicherweise musste es nicht zu einem Abschied kommen.
Auf der Arbeit haben wir einen neuen Praktikanten, er ist französischsprachig und sehr fleißig. Ich hab immer ein Auge auf ihn, weil er eine schwäche für die bunten Büroklammern hat. Vor einigen Wochen hat er mich gerufen, weil er ein Problem hatte. Er sprach meinen Namen so aus, wie er ursprünglich im Französischen ausgesprochen wird und ich reagierte nicht. Er musste erst 4 Mal rufen bis ich wusste, ich war gemeint. Ich habe mich so an die englische Version meines Namens gewöhnt, wie soll ich nun wieder auf das Original hören? Mir wurde klar, dass ich in meiner alten Heimat nicht Fuß fassen würde. Es ist nicht nur der Name, ich habe mich vieler heimischen und vertrauten Dinge entwöhnen müssen, an Stelle ihrer sind andere getreten. Nicht unbedingt bessere oder schlechtere, aber andere. So bin ich durch diese Kleinigkeiten ein Teil dieser neuen Heimat geworden und sie damit ein Teil von mir. Das hat die letzte Brücke abgerissen.
Ich beschwor eine Sensation und finde Bescheidenheit. Es ist wie ein aufgeblasener Handschuh, der zusammenfällt, wenn man die Luft ablässt.
Doch am Ende meiner Odyssee bin ich ein glücklicher Mann. Die Sehnsucht nach meiner fernen Heimat schickte mich auf eine Reise. Die Reise in mich selbst, in meine dunklen Abgründe und bunten Träume. Ich musste mich eigentlich nur in mir selbst wieder zuhause fühlen, der Ort ist unwichtig.

Morgen gehe ich zur Arbeit, auch das macht mich glücklich. Ich habe einen festen Platz im Leben, für alles andere habe ich auch einen Ort geschaffen.
Aber manchmal, da werde ich es mir nicht nehmen lassen mich in ein grünäugiges Taxi zu setzen und mich von einem südländischen Fahrer heimbringen zu lassen. Das kleine Fünkchen Nostalgie, das mich an die glücklichste Zeit meines Lebens erinnern wird. Es war ein anderes Glück als das heutige. Als sei es in einem anderen Leben gewesen, ganz lange her…


Ich danke dir, liebe Elena ...

8.2.09 23:00
 


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